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Ein ganz normaler «Choreotag»

Trotz der einten oder anderen «Höuse» zu viel am Vorabend, das Aufstehen fällt leicht. Nach einer solchen Nacht wäre normalerweise der Gang zur Toilette oder zum Giftschrank das morgendliche Ritual. Nicht so aber heute, denn ein Blick in den USL-Kalender verrät, es ist Mittwoch. Mittwoch der 22. Mai 2019. Spieltag. Das letzte Spiel von Claudio Lustenberger. Als wäre dies nicht schon Aufregung genug - eine Choreo steht an. Der Gedanke daran lässt so ziemlich alles andere hinter sich. Man verliert sich immer wieder in Gedanken. «Haben wir an alles gedacht? Weiss jeder was zu tun ist? Und hoffentlich hält die ganze Scheisse». Währenddessen steigt die Nervosität weiter. Es ist schliesslich nicht einfach für irgendjemanden. Es ist für die fucking Legende: Claudio Lustenberger. Über 13 Jahre im Dress des FCL’s. Machte alle Höhen und Tiefen mit und ist einfach «en huere gmögige Siech!» Die Vorbereitungen für die geplante Aktion wurden natürlich bereits etwas im Voraus in die Wege geleitet…

Mit Tricks von grossen Künstlern

Zwei Wochen früher: In der altehrwürdigen Hardcore-WG trifft sich das Choreo-Team. Auch die Verabschiedung von CL7 wird traktandiert. Der offizielle Rücktritt soll am 17. Mai verkündet werden. Wir wissen es schon einige Tage früher. Die Zeit drängt, Ideen sind gefragt. Darum halten wir uns an das Klischee, dass Künstler ihre Höchstleistungen im Rausch erbringen. Siehe da, zwei Bier später ist die Idee auf dem Tisch. Der Capitano soll als Schiffskapitän dargestellt werden und dabei den Kutter durch die stürmischen Gewässer des FCL-Umfeldes steuern. Was für ein Wurf. Gelobe dir, heiliger Gerstensaft. Weitere zwei Bier später hat der Photoshop-Philipp aus der Kurve den ersten Entwurf parat. Selber zeichnen liegt aufgrund der gedrängten Zeit nicht mehr drin. Details werden angepasst, weitere Ideen gesponnen. Zu der Blockfahne mit dem Text «Z’Lozärn verankeret» gesellen sich drei überdimensionale Doppelhalter mit der Inschrift «C L 7». Die Überarbeitung der Vorlagen sowie die Suche nach einer weiteren Idee, um den als Kollegen gewonnen Clöde auf die Schippe zu nehmen gibt’s als Hausaufgabe. Die Grundidee steht. Bei der Grobplanung der Umsetzung fällt auf, dass noch Material fehlt. Auf die Schnelle muss daher noch ein Detachement auf Einkaufstour in den grossen Kanton.

Zusammen schafft man grosses

Der Zeitplan drängt. Umso mehr, da die Infrastruktur des (zu kleinen) Bastelraums nicht optimal ist. So wird in den kommenden Tagen von unzähligen Helfern fast täglich an der Umsetzung gearbeitet. Einige geben beim Chef frei ein, andere verpassen Vorlesungen an der Uni. Hochmotiviert wird vorgezeichnet, gemalt und konstruiert. Wenige Tage vor dem Spiel kommt zusätzlich die Idee auf, Lustenberger für seine Treue bereits beim Einwärmen zu danken. All die Angebote von europäischen Topklubs die er ausgeschlagen hat, sollen dargestellt werden. Die Recherche zeigt: es sind viele. Verdammt viele! So müssen zusätzlich 20 Doppelhalter und ein Spruchband gefertigt werden. Mit Unterstützung von altehrwürdigen Kurvengänger ein Klacks. Drei Tage vor dem Spiel werden die Einzelteile zu einem Ganzen zusammengefügt. Sieht schon mal grossartig aus. Das Aufstellen auf der Allmend gibt’s als Bonus, dann kann der Spieltag kommen.

Showtime

Nach dem Aufstehprozedere und den ersten Gedanken wie der Tag werden könnte, geht’s mit grosser Vorfreude ab ins Zauberhuus. Mit allen Helfern der heutigen Choreo geht man den Ablauf durch. Leute werden den Seilen zugeteilt, gleichzeitig steigt die Anspannung. Bevor das Gros in der Zone losmarschiert, wird im Stadion noch einmal die ganze Konstruktion kontrolliert. Passt. Man kann es kaum erwarten bis es losgeht. Die Einlaufmusik ertönt, die Capos geben das Zeichen fürs Hochziehen der Choreo. Das Blut in den Adern stoppt. Kein Gedanke mehr daran was schiefgehen könnte oder wie es aussieht. Hoch mit dem Ding. Korrekturen werden den Leuten an den Seilen zugeschrien, mit dem einten oder anderen Sprint entlang der 42 Meter langen Blockfahne wird noch ein wenig zurechtgerückt. Alles passt. Jetzt noch die riesigen Doppelhalter. Auch das sieht wunderbar aus. Die Anspannung löst sich langsam. Nach nur wenigen Minuten ist der Spuk vorbei. Das Organisationsteam trifft sich zum Runterfahren für ein kurzes Résumé auf ein Bier. Anschliessend trennen sich die Wege, um die Mannschaft am jeweiligen Platz in der Kurve zu supporten.

Stunden an Arbeit, viel Geld, mehrmaliges Kopfzerbrechen und stressige Momente für den Bruchteil eines Fussballspiels. Wenn es der Mannschaft aber nur das nötige Prozent Motivation gibt, um den Ball hinter die Linie zu drücken, lohnt es sich allemal. Und heute tut es das sowieso. Unsere Mannschaft gewinnt gegen den FCZ mit drei zu null und Claudio Lustenberger wird würdig verabschiedet.

Verfasst von: Hebi

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