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Auf Achse für Luzern

Mit der gemeinsamen Anreise an ein Auswärtsspiel ist meistens fast ebenso viel Faszination verbunden wie mit dem Match an sich. Für manchen Luzerner Schlachtenbummler gilt daher die Devise: Je länger die Fahrt, umso besser.

Im Sommer 2018, der FCL hatte sich dank einer fulminanten Rückrunde für den europäischen Wettbewerb qualifiziert, wurde uns der griechische Serienmeister Olympiakos Piräus zugelost. Aufgrund des weiten Wegs war schnell klar, dass es für dieses Spiel keine gemeinsame organisierte Anreise geben würde. Trotz allem war es aber für uns selbstverständlich, dass wir uns auch dieses Spiel nicht würden entgehen lassen. Während dem sich in unserem Freundeskreis die meisten Leute auf die Flugtickets stürzten, schmiedeten wir einen anderen Plan, um rechtzeitig an den äussersten Zipfel des Balkans zu gelangen.

So traf sich eine Reisegruppe von fünf Luzernern mit zähem Sitzfleisch Sonntag nachts am Bundesplatz, um einen Passat mit dem nötigsten Gepäck, reichlich Proviant und den Fanmaterialien der halben Szene zu beladen. Die Fahrt auf der nächtlichen Autobahn führte uns über Deutschland nach Österreich, einmal quer durch Slowenien und weiter nach Kroatien. Dort passierten wir zur Mittagszeit jenen Abzweiger, auf welchen wir ein Jahr zuvor für das europäische Gastspiel in Osijek eingebogen waren. Keiner von uns hätte wohl gedacht, so schnell wieder an dieser Stelle vorbeizukommen.

Mit unserem sportlichen Tempo erreichten wir schon im Nachmittag Belgrad, wo wir es uns nicht nehmen lassen wollten auch etwas vom Nachtleben zu haben. Jaja, natürlich ist ein Montag hierfür nicht am geeignetsten, aber wir wussten uns schon zu helfen. Sogleich deckten wir uns mit Slibo und den Zwei-Liter-Flaschen Lav-Pivo ein und becherten in unserer bescheidenen Residenz schon mal ordentlich rein. Natürlich haben wir danach auch noch das eine oder andere geöffnete Lokal gefunden, wodurch am nächsten Morgen allerdings ein Teil der Reisegruppe als potenzielle Fahrer gleich mal ausschied.

Doch weiter nach Süden, an die mazedonische Grenze, wo uns unser in der Unterhose versteckter Haschisch-Vorrat fast zum Verhängnis wurde. Der Brocken jedoch blieb zum Glück unentdeckt und schon bald hatten wir in Thessaloniki griechischen Boden unter den Füssen. Die Nähe zum Meer wollten wir nutzen, und so suchten wir einen der zahlreichen Marina-Shops auf, wo die Seenot-Technika ohne grosse Diskussionen über die Theke ging. Auf der letzten Etappe gings dann mehrheitlich entlang der Küste immer weiter Richtung Hauptstadt. So erreichten wir nach fast 2500 Kilometern endlich Athen, wo wir uns schon bald auf die Suche nach gleichgesinnten Luzernern machten. Natürlich war die Freude beim Aufeinandertreffen gross, erste Fussballstimmung machte sich bei den Mitgereisten breit. Auch die Begegnung mit dem Schatten-Trainer Gesandten vom Maihof sorgte dabei für einige Heiterkeit. Bis zum Sonnenaufgang tummelten wir uns durch die Bars, Klubs und Hotelterassen der Stadt. Kontakt mit Olympiakos-Anhängern, welche wohl mehrheitlich im Hafenort Piräus anzutreffen wären, gab es in dieser Nacht keinen...

Nach kurzem Schlaf gings dann ab an den gemeinsamen Treffpunkt, wo langsam alle eintrudelten. Gewisse kamen nur mit der Bauchtasche direkt vom Flughafen, welchen sie nach dem Spiel gleich wieder mit dem Taxi ansteuern würden, um am nächsten Morgen wieder im Büro zu sein. Krank! Ein kurzer Marsch durch die Stadt mit anschliessendem Transfer nach Piräus später gabs zunächst mal einen warmen Empfang der Olympiakos-Leute, welcher aber noch im Ansatz aufgelöst wurde. Wie bereits erwartet, sparten die Griechen im Stadion nicht mit den Bullen. Obwohl relativ schnell klar war, dass sportlich für unseren Verein hier nicht viel zu holen sein würde, überzeugte dann unser Auswärtsblock mit dauerhaftem und lautstarkem Support. Uns selbst zu feiern ist uns noch nie besonders schwergefallen. Die Heimkurve war für ihren Ruf jedoch eher enttäuschend was Masse und Support anbelangt, die EL-Quali gegen den kleinen FCL schien das erfolgsverwöhnte Olympiakos-Publikum nicht in Scharen ins Stadion zu locken.

Am nächsten Tag stand dann bereits wieder die Abreise aus Athen an, auf der anderen Seite Griechenlands ging es wieder zurück nordwärts, wo wir die Fähre bestiegen. Getreu dem Rappenspalter-Prinzip unserer Reisegruppe hatten wir hier keine Kabine gebucht. So frönten wir auf dem Deck noch bis spät dem Bier und dem restlichen Hasch, bevor wir uns irgendwo auf der Fähre ein trockenes und halbwegs angenehmes Plätzchen suchten. Auf der letzten Etappe durch Italien fuhren wir dann noch an Reggio Emilia vorbei, wohin wir im Sommer 2016 bereits zum Qualifikationsspiel des FCL’s gegen Sassuolo Calcio angereist waren. Irgendwie schloss sich so auch wieder ein Kreis.

Über 4000 Kilometern Reise, acht Grenzübergänge in sechs Tagen und Übernachtungen in mal besseren, mal schlechteren Unterkünften – es war jeden Meter wert. Der Spielplan jedoch vergönnte uns keine Pause, und so fanden wir uns am nächsten Tag bereits wieder zeitig in der Zone ein, um uns auf das nächste Meisterschaftsspiel einzustimmen…

Verfasst von: Angus

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