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Einmal Wahnsinn hin und zurück

Lasst uns kurz zurück erinnern an die Zeiten als Masken hauptsächlich in der Kurve getragen wurden und man sich vor allem von innen her desinfizierte.

Der ganze Wahnsinn beginnt meistens an einem Samstag Vormittag. Man trifft sich bei bester Laune und mit dem Wissen: Geil Samstag Auswärts und heute gewinnen wir mal wieder. Nach den ersten Paar Bier in der Zone wird es dann aber auch Zeit sich für die mehr oder weniger lange Zugreise auszurüsten. Bekanntlich werden die umliegenden Supermärkte regelrecht leergekauft. Kistenweise Bier hier, Literweise Smirnoff dort und sonst noch was alles noch für gute Stimmung sorgen könnte. Und nein, ein Lockdown war nicht der Grund warum die Regale teilweise leer waren. Luzern fährt auswärts.

Schon eine gute halbe Stunde bevor der Zug überhaupt losfährt dröhnen die ersten Bässe durch die Bahnhofshalle und man stösst auf die bevorstehende Auswärtsfahrt an. Die Stimmung ist gut und wird erfahrungsgemäss im Verlaufe des Abends immer besser.

Mit einem Ruck setzt sich der Zug pünktlich in Bewegung. Los geht die Reise zuerst raus aus unserer schönen Stadt und vorbei an der Museggmauer bis zum ersten Halt in Sursee.

Wenn man sich mal bewusst von der Spitze des Zuges an den Schluss begibt erlebt man die verrücktesten Dinge. Dabei ist stets ein Wegbier mitzunehmen wobei die Erfahrung gezeigt hat dass auf den kurzen 200 Metern die der Zug lang ist immer etwas an Getränken vorhanden ist und einem auch angeboten wird.

Ab durch die erste Abteilstüre und rein ins Vergnügen. Als erstes kommt einem der Geruch entgegen wie in einem verrauchten Pub. Das stimmt schon mal sehr vertrauenswürdig. Ein Schieber dort ein Differenzler da. Musik tönt durch den Wagen und die ersten Fussballsongs werden angestimmt.

Ein Paar Schritte weiter wird bei einem gepflegten Apero Plättli und einem guten Tropfen auf die nächsten 3 Punkte angestossen. Meistens bestens ausgerüstet mit einem Tisch und dem Poster einer Legende das an der Wand hängt.

Nur einige Meter danach der nächste kulinarische Höhepunkt. Während dem Deutscher HipHop aus den Boxen erklingt gibt es Wienerli in einem Fondue Caquelon. Das sieht man doch nicht alle Tage. Dosenbier darf selbstverständlich auch nicht fehlen.

Etwas später fiebert ein ganzes Abteil mit. Ob wohl der grosse Gewinn dabei ist bei einem der etlichen Rubbellose die vorher noch schnell am Kiosk gekauft wurden? Wie schon an vielen Auswärtsfahrten bleibt der Hauptgewinn aus. Lustig und gesellig ist es trotzdem.

Ein Bier weiter vorne schlagen einem schon vor dem Öffnen der Türe harte Bässe entgegen und die guten Schnäpse stehen auf dem Tisch. Die Stimmung ist prima und wird im Verlaufe der Fahrt sicher nicht schlechter. Man staunt immer wieder was alles in einen Zug mitgenommen wird. Ein ganzes Fass heisses Wasser steht auf dem Abteilsitz. Es hat definitv genug Tee für den ganzen Wagen für die nächsten Stunden.

Weiter hinten im Zug fühlt man sich direkt alt wenn man die heutige Fussballjugend sieht. Während Mallehits zum besten gegeben werden, halten es die ersten schon nicht mehr im Sitzen aus und es wird frisch fröhlich geschunkelt. Man muss einfach mal einige Sekunden stehen bleiben und sich das ganze zu Gemüte führen. Einfach Genial.

Einige Abteile danach hat man eine Hängematte zwischen die Sitze gespannt und chillt bei gemütlicher Musik und kühlem Bier bis man am Ziel ist. So was hat man sicher noch nie im einem Regelzug gesehen.

Am Schluss des Zuges befindet sich der Familienwagen. Nur einmal habe ich erlebt dass sich die Partymeute bis hierher verlagert hat. Dort geht es ganz gesittet und ruhig zu und her. Es ist spannend zu sehen wie die Ragazzis sich auf das Auswärtsspiel freuen weil es für viele teilweise eine der ersten Auswärtsfahrten überhaupt ist.

Nicht vergessen sollte man zu guter Letzt natürlich auch die «Alte Garde» wo ein Fachsimpeln über Fussball und die Fussballgötter nicht fehlen darf. Dort gibt es meistens viele spannende Geschichten zu hören.

Den ganzen Weg geht es nun wieder im Eiltempo zurück und man durchquert noch einmal die verschiedenen «Kulturen» jedes Wagens. Im Stammwagen angekommen geht noch das eine oder andere Bier über den Tisch bis eine sympathische Stimme durch den Lautsprecher meldet: «gschätzi FCL Fans, i wenige Minute träffe mer a eusem Zielbahnhof ii. Hopp Lozärn!»

Nach dem gewonnenen Spiel trifft sich die ganze Truppe wieder im Extrazug. Das bedeutet feiern und ran an all das was man vor ein Paar Stunden aus den Regalen der Detailhändler genommen hat.

Die Stimmung kocht und wird mit jedem Meter besser je näher wir an Luzern sind. Mittlerweile laufen auch Songs von der Kelly Family und der eine oder andere hat wohl schon das eine oder andere Bier über den Durst getrunken. Es ist ein Gefühl des Wohlseins und der Freude jeweils mit dem Extrazug in jede beliebige Stadt der Schweiz unserem geliebten Fussballclub hinterher zu fahren. Es ist eine Kultur entstanden die man einfach erlebt haben muss.

Um so mehr freuen wir uns schon jetzt auf das erste Auswärtsspiel an einem Samstagabend wenn die Reise wieder losgeht und die Regale im Detailhandel leergeräumt sind. Nicht weil ein Lockdown bevorsteht sondern weil Luzern wieder mal auswärts fährt.

Cheers

Verfasst von: DJ von den Schienen aus den Bergen

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