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Petar, Peter und der Hallenfussball

In den 90ern war Hallenfussball ein fester Bestandteil der Saison. So veranstaltet der FCL jährlich eigene Turniere. Für mich als FCL-Fan im schulpflichtigen Alter waren diese Turniere immer ein Highlight. Selten konnten man seinen Idolen näher sein, als an einem Hallenturnier: Sassen die Spieler und Trainer zwischen den Spielen doch auch oft irgendwo in der Halle herum und warteten - wie am Flughafen aufs Boarding - auf den nächsten Match.

Ich erinnere mich nicht wirklich an einzelnen Spiele oder ans Abschneiden des FCL an den Hallenturnieren. Wie in den Meisterschaften in den 90er-Jahren üblich, war der FCL nämlich auch in der Halle nicht unbedingt eine Übermannschaft. So habe ich es jedenfalls in Erinnerung. Trotzdem sind wir von zwei Turnieren ein paar Geschichten hängen geblieben ...

Während die ersten Hallenturnier des FCL in der Festhalle auf der Allmend stattfanden, wurden die Turniere später in der Stadthalle Sursee ausgetragen. Immer wieder wurden auch ausländische Spitzen-Teams eingeladen. 1997 waren dies der 1.FC Kaiserslautern - neben dem FCL, einer meiner Lieblingsvereine. Der Club, der 1996 dasselbe Schicksal erleiden musste, wie der FCL vier Jahre zuvor: Abstieg und Cupsieg in derselben Spielzeit. Aus Österreich war im selben Jahr der Linzer ASK eingeladen.

Als wir damals in Luzern den Zug in Richtung Sursee bestiegen, gesellten sich auch ein paar LASK-Fans zu uns in den Wagon. Ihrem Stimmungshoch merkte man an, dass sie schon ein paar Stunden im Zug unterwegs waren. Auch eine Busse wegen Schwarzfahrens tat ihrer Stimmung keinen Abbruch. Dank uns verpassten sie es nicht, in Sursee auszusteigen. Die Linzer waren dann auch sehr dankbar, dass sie ein paar Gefährten gefunden hatten, die ihnen beim Weg vom Bahnhof zur Stadthalle behilflich waren. Auf dem Dachboden bei meinen Eltern liegt heute noch ein LASK-Schal, der damals noch getauscht wurde.

In der Halle angekommen machten sich die Linzer sofort bemerkbar und beleidigen vor allem das andere ausländische Gastteam, den 1.FCK. Etwas mit “Deutschländer Würstchen” war einer der Gassenhauer der LASK-Supporter und hallte daher immer wieder durch die Halle. An Fans aus Deutschland kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber an den Umgang mit den Spieler des FCK. Denn da waren doch einige bekannt Namen mit dabei - bis auf König Otto, der lieber in Ruhe seinen Kaffee trinken wollte.

Ich meinte, im selben Jahr fand auch ein Turnier in der Festhalle Allmend statt. Dies im Rahmen der neu geschaffenen Hallenmeisterschaft der Nationalliga. In Luzern wurde eines von mehreren Qualifikationsturnieren durchgeführt, bei denen man sich für das Finalturnier in Basel qualifizieren konnte. Das Format kannte man aus Deutschland, wo es schon seit langen eine Hallen-Meisterschaft gab und diese auch im TV sehr präsent war. In der Schweiz war das Format allerdings nicht sehr erfolgreich und wurde nach 2-3 Durchführungen wieder eingestellt.

Am Turnier auf der Allmend gab es auf alle Fälle die Möglichkeit mit den Spielern seines Lieblingsverein ein “Selphy” zu knipsen. Was zu dieser Zeit ein Foto mit einer Sofortbildkamera war. Als über die Lautsprecher ausgerufen wurde, dass nun mit Petar Aleksandrov Fotos gemacht werden konnte, wollte ich mir diese Chance natürlich nicht entgehen lassen. Petar Aleksandrov, war damals der Grund, wieso auf den Fussballplätzen in und um Luzern viele Junioren mit Stirnband aufliefen. Ein Stirnband, das man im Gegensatz zum damals ebenso beliebten Nasenpflaster nicht dem Bravo-Sport entnehmen konnte, sondern selber organisieren musste.

Beim “Selphy”-Stand angekommen musste ich feststellen, dass ich nicht der einzige war, der den Wunsch hatte mit Petar ein Foto zu machen. Brav stellte ich mich also in die Schlange. Geduldig wartete ich und wartete ich. Als ich dann nur noch zwei Supporter vor mir hatte, zog Aleksandrov plötzlich seine Trainingsjacke an und verabschiedet sich. An seiner Stelle positioniert sich Peter Gmür. Ein paar Minuten später hatte ich mein Bild mit einem FCL-Spieler. Es wurde halt leider einfach eines mit Peter statt Petar.

Ende der 90er-Jahre verschwanden die Hallenturnier wieder aus dem Spielkalender der Spitzenklubs. Erst 2009 ware es wieder soweit. Der FCL nahme am Hallenmasters in Winterthur teil. Wirklich gross beworben wurde das Turnier beim FCL nicht. Da das Turnier an einem Sonntag stattfand und schon vor dem Mittag losging, musste man also schon zeitig los. Das dürfte mitunter auch ein Grund gewesen sein, wieso nicht viele Supporter aus Luzern nach Winterthur Grüze reisten. Mein Kumpel aus Büron und ich liesen uns dieses Schmankerl aber nicht entgehen. So traff man sich am Sonntagmorgen am Bahnhof Luzern und bestieg den Zug in Richtung Winterthur.

Auch das Fanprojekt liess sich an diesem Sonntag einen Arbeitstag gutschreiben und war vor Ort präsent. Der FCL liess sich einmal mehr nicht Lumpen und stellte mit den zwei Fanarbeitern eine 1:1 Betreuung der anwesenden FCL-Fans sicher. Ich meinte, für Beni war das Hallenturnier, welches in der Eishalle Deutweg stattfand, gar seine Premiere als Fanarbeiter. Er sollte einen Vorgeschmack erhalten, was ihm als Fanarbeiter die nächsten Zeit blühen wird. Schnell wurde klar, dass sein Wissen über Fussball und Fankultur nicht sehr gross war. Wir waren natürlich bemüht, dieses aufzubessern. Bereits ab der ersten Minute war er bestrebt, die Wünsche des Fans umzusetzen. Als ich dann Lust auf ein leckeres Softeis verspürte, zog Beni los und machte sich auf die Suche nach dem Eisstand. Dumm nur, dass es in der Halle keinen gab. Rückblickend muss ich gestehen, dass nicht alle Tipps, die wir ihm mitgaben, ganz nützlich waren.

Gespielt wurde in der Eishalle Deutweg. Aus Sicherheitsgründen wurde die Arena in zwei Fan-Sektoren eingeteilt. Die Fans der teilnehmenden Mannschaften wurden dann auf die zwei Sektoren aufgeteilt. Heute irgendwie undenkbar, sassen die FCL-Fans im selben Block wie die Supporter des FC St Gallen. Das Interesse der St Galler Fanszene war aber etwa gleich gross bzw. klein, wie das der Luzerner. So liess sich bloss rund ein dutzend Besucher als FCSG-Anhänger identifizieren. Einer dieser grünweissen Fan liess es sich in Abwesenheit der Ultras aber nicht nehmen und gab den Hallen Capo zum besten. Die restlichen St Galler teilten seine Support-Motivation allerdings nur bedingt.

Anders sah es auf der gegenüberliegen Hallenseite aus. Da war an diesem Sonntag die grösste Supportergruppe beheimatet. Dort fanden sich nicht etwas die Supporter des FC Winterthur ein, wie man vielleicht denke könnte, nein der FC Prishtina stellte mit Abstand die grösste und lauteste Anhängerschaft.

Auch die grosse Fussball Prominenz liess sich den Leckerbissen nicht entgehen. So verirrte sich auch Jogi Löw nach Winterthur und genehmigte sich seine geliebten Popel auf Haupttribüne. Wer aber ein Getränk mit Schuss bevorzugte oder Lust auf ein Eis hatte, musste die Halle verlassen.

Sportlich lief es dem FCL nur halbwegs gut. Mit einem Sieg und einer Niederlage konnte er sich in einer Dreiergruppe mit Thun und Pristina trotzdem für die Halbfinals qualifizieren. In diesem unterlag man dem FC Aarau und im an- und abschliessenden Spiel um Platz 3 auch noch dem FC St. Gallen. Der FCL belegte an seiner ersten Teilnahme am Ende Rang vier (von sechs). Gewonnen wurde das Turnier vom FC Prishtina. Der FC Thun wurde Letzter.

Nach einem abwechslungsreichen Tag, ging es am späten Nachmittag zurück zum Bahnhof, um den Heimweg nach Luzern anzutreten. Zunächst mit den beiden Fanarbeiter zusammen. Am Bahnhof Winterthur hatten wir dann nur einige Minuten Zeit zum Umsteigen auf den Zug in RIchtung Luzern. Da der Mann aus Büron noch grossen Durst verspürte, musste in dieser Zeit aber noch der Getränkeshop aufgesucht werden. Die Fanarbeiter entschieden sich anders und eilten auf dem Zug. Sie winkten uns aus dem abfahrende Zug fröhlich zu und verabschiedeten sich.

Einen Zug später als die beiden Fanarbeitern kamen auch wie in Luzern an. Und hatten noch Lust auf einen Schlummertrunk. Wir entschieden uns für eine Gaststätte, in der man auch als etwas angeheiterter Gast stets herzlich Willkommen ist: An der Bar im Hotel Schweizerhof wurden wir freundlich begrüsst und die Bestellung wurde flott entgegen genommen. Der Pianist war sogar noch empfänglich für Liederwünsche. Leider deckte sich sein Repertoir nicht mit den Songtiteln, die wir ihm vorschlugen. So blieb der Liederwunsch eben nur ein Wunsch.

Also wir dann zurück am Bahnhof Luzern waren, verabschiedeten wir uns und jeder ging auf seinen Zug in die jeweilige Provinz. Ich kann mich noch erinnern, wie froh mein Reisebegleiter war, dass es erst gegen acht oder neun Uhr abends war. So wäre er ja zeitig zu Hause und bis am nächsten Morgen wieder topfit für die Arbeit. Denkste.

Als ich ihn das nächste Mal sah, erfuhr ich, dass aus der frühen Ankunft in Sursee bzw. daheim nix wurde. Nach einem Nickerchen im Zug wurde seine Heimreise unfreiwillig verlängert. Ich bin mir leider nicht mehr so sicher, wo er zum Ende genau gelandet ist. Ich meinte aber, es war Lausanne oder Basel. Dort wären 1997 wohl auch die Jungs aus Linz gelandet, wenn sie nicht mit uns im Abteil gehockt wären.

Verfasst von: Sigi

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