31.1

Aber Scheiss drauf!

Am Freitag, dem 15. November 2013 zelebriert das berüchtigste Lokal Luzerns seinen fünften Jahrestag. Die Vorfreude ist natürlich gross, als zum Jubiläum unseres Zauberhauses das Programm bekannt gegeben wird: Ballermann-Grösse Peter Wackel is in town! So kann man doch mal die Nati-Pause nutzen!

Dementsprechend schnell füllt sich nach der Türöffnung um 18:00 Uhr das Lokal am Bundesplatz. In freudiger Erwartung des Auftrittes von Peter Wackel werden die ersten Schöttli-Becher bestellt. Vodka-Lemon und Bier strömt in Mengen zu den Klängen von DJ HAMMERHANS.

An dieser Stelle muss zunächst erklärt werden, wie das Ballermann-Phänomen nach Luzern gelangt. Per Zufall spielt der Wackel an besagtem Freitag bereits in Gais AR an einer Hüttengaudi und ist somit „günstig“ zu haben. Zusätzlich zur bescheidenen Gage müssen so noch Transfer und Unterkunft übernommen werden.

Die Abholung in Gais wird selbstverständlich durch Zonen-Gott SBS und John Maynard höchstpersönlich in die Hand genommen werden. Offenbar wird dort Backstage noch mit Jürgen Drews, welcher dort ebenfalls auftritt, angestossen und mit Wackels Manager über die Schönheit von Pattaya diskutiert. Nach 2 Stündiger Fahrt in Luzern angekommen, ist unser Star relativ überrascht ob der Grösse der heutigen Location, irgendwie hat er etwas im Stile eines Oktoberfestes erwartet, und keine Bar mit Platz für knapp 150 Leute.

Schon im Backstage der Zone, unter Kennern auch liebevoll „Büro“ genannt, wird er von teilweise leicht angetrunkenen Groupies „belästigt“. Nachdem er mehrere Male „Wackel-Dackel“ genannt wird, scheint seine Stimmung leicht gereizt. Scheinbar nicht sein liebster Spitzname… Einige Minuten später ist dies aber alles vergessen, und gegen 01:30 Uhr ist es dann endlich soweit - der einzig wahre Peter Wackel steht vor uns auf der Bühne. In gewohnter Selbstverständlichkeit bringt er die Zone 5 zum Kochen!

Während dem die Stimmung den Höhepunkt erreicht, bin ich selbstverständlich sturzbetrunken und mittendrin in der tobenden Meute. Diese Art von Konzert ist noch absolutes Neuland für mich, da ich zu diesem Zeitpunkt noch nie den Weg auf die Insel gefunden hatte. Mit dem Bierkönig-Shirt, welches ich an der letzten Ballermann-Party im selben Lokal abstauben konnte, bin ich immerhin passend gekleidet.

Gegen Ende des Konzertes zeigt der Mann auf der Bühne auf mich, und sagt durchs Mikrofon: „Da hat jemand aber das richtige Shirt an, komm mal nach vorne!“ Offenbar fällt man in einem Bierkönig-Shirt in einer Horde betrunkener, teilweise oberkörperfreien Fussballfans auf...

Da ich durch die reichlich geflossenen Zaubertränke jegliches Schamgefühl bereits Stunden zuvor abgelegt hatte, und sowieso nicht mehr wirklich begriff, um was es hier eigentlich geht, folge ich dieser Aufforderung.

Vorne angekommen, dröhnen aus den Boxen die Anfangsklänge des späteren Überhits „Scheiss drauf!“ Wackel beginnt mit der ersten Strophe, „Der Kopf tut Weh, die...“ und hält mir das Mikro vor den Mund. Ich, im Suff total überfordert, bringe nicht mehr als ein verlegenes „ääääääh....“über die Lippen. Gut, Profi wie er ist, gibt er mir eine 2. Chance in dem er weiterperformt. „Ich hab ein komisches brummeln im...“ und wieder hab ich das Mikro im Gesicht. Nach einem zweiten „äääääh“ und verlegenem Blick bricht er das Lied ab, sagt etwas in der Richtung: „Lasst ihr das so gelten? Das geile ist ja, wenn ein Bierkönig-Profi bei mir auf der Bühne so scheisse singt, muss er mindestens 20 Schnäpse ausgeben! Schiebt ihn mal so bisschen Richtung Bar, der muss jetzt hier erstmal ne Runde ausgeben!“

Kaum die Zeit mich umzusehen, stehe ich schon wieder am Tresen und folge der Aufforderung Wackels bestmöglich. Während dem er das Lied nochmals von Anfang an zum besten gibt, hole ich mir mit dem restlichen Geld, dass sich in meinem Portemonnaie befindet, einige Dosen und verteile diese den Erstbesten, die ich in der Nähe finde. Ab dann ist meine sowieso schon schwammige Erinnerung an diesen Abend nur noch in kleinen Fetzen vorhanden. Fest in der Erinnerung verankert sind aber die brutale Stimmung, die komplette Eskalation und natürlich die legendäre Polonaise um den Bundesplatz-Kreisel währen dem Lied „schwarze Natascha“.

Am Samstag Morgen, oder wohl eher am Mittag aufgewacht, kann ich immerhin die erste Strophe des Liedes nachvollziehen. Kater wie selten zuvor, ein paar Schlücke Wasser, wieder hinlegen. Alleine beim Gedanken daran, je wieder Alkohol zu trinken wird mir schlecht.
ABER SCHEISS DRAUF! Aufstehen und bereit machen, denn der 2. Tag des Jubiläums-Wochenendes steht an.

Nach dem ersten Konter-Bier fühl ich mich wieder wie neugeboren, und auch die Schmach vom gestrigen Abend ist bald wieder vergessen, auch wenn mich Videos und Erzählungen an meinen Aussetzer noch einige Jahre begleiten sollten. Doch jetzt ist erst mal 5x5 ist angesagt, alles för 5 Stotz, ob das vernünftig ist fragt niemand, scheiss drauf, ein Fanlokal wird nur einmal 5 Jahre alt. Bald ist die Katerstimmung verflogen und zu Klängen aus der Musikanlage der Zone 5 wird wieder munter die Lampe gefüllt. Solange es die Gesichtsmotorik zulässt, wird sich über den Vorabend unterhalten, amüsante Geschichten zum gestrigen Auftritt werden bekannt. Nach gefühlten zehn Zugaben sei Schluss gewesen, und das gewohnte Taxi SBS habe Peter Wackel wieder an den Flughafen geführt.

Man munkelt, auf der Rückfahrt zum Hotel habe er vom Auftritt geschwärmt, Aussagen wie „lieber 100 Hooligans als 1000 am Oktoberfest, das waren doch Hooligans, oder?“ und „Ihr seid alle in den Bierkönig eingeladen, und ich bezahle!“ Letzteres steht leider immer noch aus, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! So ganz geheuer war Ihm der Auftritt dann im Nachhinein wohl doch nicht, da sonst auf seiner Facebook-Seite von jedem seiner Auftritte gefühlte 300 Fotos hochgeladen werden, aber dieser legendäre Auftritt bis jetzt keine Erwähnung findet...

Dieser zweite Part des Götter-Wochenendes, welcher durch eine Fotostrecke mit dem poetischen Titel „Best of bsoffnigi Gäst“ begleitet wird, vergeht wie im Fluge. Auch das Ende dieses zweiten Abends ist mir nicht mehr präsent, an was auch immer das liegen mag… Zum Schluss bleibt zu sagen, nicht einmal abgebrühte Malle-Stars sind in der Lage, dem Charme unseres Zauberhuus zu widerstehen!

P.S. Ich möchte diese Gelegenheit auch noch nutzen, um allen, die die Zone all die Jahre möglich ge-macht haben, und auch weiterhin möglich machen, von Herzen DANKE zu sagen! Ganz egal ob durch Organisation, Arbeit an der Bar oder durchs Putzen und Aufräumen. Immer weiter!

Verfasst von: Jake

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