31.2

Lasst den Paul, sonst gibt’s aufs Maul!

Vorgeschichte

Wir schreiben den Mai 2006, in Zürich feiert die Luzerner Fanszene in der drittletzten Meisterschaftsrunde den Aufstieg in die NLA. Auswärtsspiele hatten bereits zu dieser Zeit einen ganz besonderen Wert. Somit war klar, dass der Aufstieg am letzten Spieltag beim abschliessenden Auswärtsmatch im waadtländischen Dörfchen Baulmes nochmals richtig gefreit werden muss.. Nun wurde ein Plan geschmiedet - mindestens ein Zweitägiger musste es sein. Das OK mit dem heutigen Status «Forumgott» kontaktierte über das damals übliche Kommunikationsmittel «Liiribox» die Interessenten. Etwas euphorisch wurde ein Doppelstöcker-Car reserviert, das Spanferkel beim Rüüüüdigen Luzerner bestellt und die Übernachtung gebucht. 

Anreise

Am Freitag-Nachmittag des 12. Mai 2006 kam unserer erster Gast - „Paul“ - im Inseli an. Pauls zustand war zu diesem Zeitpunkt bereits „kritisch“. Den Mitreisenden wird es im Verlauf der folgenden zwei Tagen ähnlich ergehen. Paul entschied sich, in seiner weissen Box etwas zu entspannen. Nach dem der Car mit 30 Luzernern «gefüllt» war, ging es los in Richtung Bern. Vor dem Wankdorf erwartete uns noch eine Handvoll Berner. Zu diesem Zeitpunkt pflegte man einen freundlichen Austausch mit einem Teil der Fanszene. Gemeinsam ging es definitiv los in Richtung Yverdon, dem Etappenort des ersten Tages. Im Car wurde gefeiert, als wären wir Meister geworden.

Der Camping

Was für eine Perle am Neuenburgersee! 5*! Hier lässt es sich nächtigen! Der gemischte Luzerner-Bern-Pöbel versucht nach dem Check-in die Bungalows in Besitz zu nehme. Freunde aus dem Vorort Malters waren zu diesem Zeitpunkt schon so dicht, dass sie vom Car zur Unterkunft mit dem Wägeli chauffiert werden mussten. Mit dieser besonderen Lage direkt am See sowie dem hervorragenden Wetter (es pisste in Strömen, aber hey: «wir wollen strömmenden Regen») zog es einen Teil der Mitfahrenden subito zum Baden. Was für eine grandiose Idee, sich bei den frischen (Luft- und Wasser-)Temperaturen etwas abzukühlen. Kein Wunder gibt es Leute – wieder aus dem Vorort Malters – die nicht nur be- sondern beinahe auch versoffen sind. Die Grapscherszene Luzern begnügte sich beim Bädelen ihre Wachteleier zu vergleichen. Viel wichtiger war jedoch, dass sich die Workingclasselite um das Grillfest vom nächsten Tag kümmerte. Ein Problem war noch, dass wir keine Batterie für den Spanferkelmotor hatten. Ein Mechaniker in der Gruppe war Gold wert. Kurz ein Traktor auf dem Camping gesucht und den Motor ausgebaut! Herzlichen Dank an die Firma Gloggner Transport. Die Nacht war dann so wie es zu erwarten war – feucht, fröhlich, asozial. Als man sich endlich zum Schlafen legen wollte, mussten einige Mitreisende feststellen, dass ihr Bett in ihrem Bungalow bereits besetzt war. Von jenen, die sich im Vorfeld für eine „Billig-Übernachtung“ im Zelt entschiedenen haben – nun aber entweder zu faul oder besoffen waren, ihr Zelt in der Pflotschnässe auch aufzubauen. Ihr gewiefter wie nicht gerade edler Plan, sich einen trockenen, warmen und bequemen Schlafplatz zu „erschleichen“ ging fast auf. Die Eindringlinge hatten die Türen verschlossen und machten trotz lautem Klopfen und Brüllen keine Anstalten aufzumachen. Doch sie hatten nicht mit einem im richtigen Leben gesitteten Seetaler (Forumstatus „Admin“) gerechnet. Nachdem das Eintreten der Bungalow-Türe nicht von Erfolg gekrönt war, wurde kurzerhand das Fenster eingeschlagen. Die Einschleich-Schläfer wurden mit Schimpf und Schande verjagt. Als Alternative zum Bett pennten sie dann in der Bungalow-Küche auf dem Boden. Um genügend Platz zu haben, musste das gesamte Mobiliar schwungvoll ins Freie befördert werden.

Spieltagbaby

Damit die 2-Täger-Crew rechtzeitig beim Treffpunkt mit den anderen Luzerner Cars, die erst am Spieltag fuhren, erscheinen würde, wurde der Carchauffeur am nächsten Tag auf 9 Uhr bestellt. Die Camping-Leitung hatte jedoch etwas dagegen ... Bereits um 6 Uhr wurde das OK von der aufgebrachten Campingleitung besucht. «Sie haben 15 Minuten Zeit um den Camping zu verlassen, ansonsten kommt die Polizei».

Was war passiert? Über Nacht wurde von irgendwelchen Drittpersonen der Spabereich des Camping in ein Flussbad umgebaut. Das Wasser rauschte in Fontänen rund um die Bungalows, obschon es heute gar nicht mehr regnete. Die Bungalows hatte neues Fensterdesign und das Inventar einer WG in SG wurde dezent verkleinert. Somit bliebt nichts anders möglich, als alle Mitreisenden bereits zu dieser total unchristlichen Zeit zu wecken. Einer war allerdings noch gar nicht am Schlafen. Der grösste Kiffer Luzerns hatte die ganze Nacht damit verbracht, seinem liebsten Hobby zu fröhnen – und – im Bett-liegend - eine um die andere Guuge reinzuziehen. Zum Glück für die anderen Bungalow-Bewohner klaffte im Fenster in grosses Loch, welches die Frischluftzufuhr die ganze Nacht über sicher stellte – und die Schlafenden vor schlimmeren toxischen Schädigungen bewahrte. Einen anderen Schaden (denjenigen, der die Campingleitung auf die Schnelle entdeckte) mussten aber auch sie trotzdem (mit-)bezahlen (Studentenadmins bedanken sich infolge Liquiditätsengpass zumindest jetzt noch bei dem OK), ehe die gesamte Luzern-Bern-Fraktion den Camping fluchtartig verliess.

Der Tag war kaum angebrochen – und die ganze von einer harten Nacht gezeichnete Truppe sass – ohne Frühstück und ungeduscht – bereits wieder im Car. Aber an Spieltagen ist es schliesslich immer von Vorteil, wenn das trinken noch früher beginnt. So traf der Car nach wenigen Fahrminuten bereits viel früher als geplant am Treffpunkt an der Seepromenade der Stadt Yverdon ein. Der Treffpunkt war übrigens ganz in der Nähe des Fussballstadions von Yverdon-Sport, wo die Berner Delegation mit YB am Sonntag übrigens ihr letztes Meisterschaftsspiel der NLA bestritten – für die Nacht von Samstag auf Sonntag musste sie sich eine neue Übernachtungsmöglichkeit suchen...). Mit dem steigenden bzw. innert Kürze wieder auf Toplevel zurückgekehrtem Alkoholpegel und dem telefonischen (gottseidank konnten die wenigsten Natels damals schon fotografieren) Austausch mit den erwarteten USL-Cars steigerte sich ein Teil der Mitreisenden in «Fight» Stimmung. Die Folge war, dass nicht wie vereinbart die erwarteten Freunde mit Bier empfangen wurden, sondern die Flaschen ohne Inhalt in Richtung entgegenkommenden Freunde aus Luzern flogen – Sorry! Auch 14 Jahre später noch. Nun kam die Stunde von Paul. Mit Zigaretten und Bier geschmückt durfte er seiner Aufgabe nachkommen. Nun konnte man sich wieder dem Wichtigen widmen. Die Luzerner tranken, die Hinterländer kifften und die Berner versuchten sich als Kapitän.

Das Spiel:

Stunden später ging es in Richtung Baulmes, wo uns gemäss Pyrofeak 10 Cars voller FCL-Fans erwarteten (oder waren es 12?). Ein schmuckes Festgeländer fanden wir auf alle Fälle vor. Man liierte, trank und schaute dem FCL beim Einlaufen zu. Unerwartet griff sich ein Luzerner Groundhopper den Ball und lupfte ihn aus 30 Meter über Zibung ins Gehäuse … was für ein Tor! Nun ging es langsam in Richtung Gästesektor. Paul war ebenfalls noch mit dabei (also ein Teil von Paul). Paul sah dies als letzte Chance, für ewig in Erinnerung zu bleiben und ging über die Bande aufs Tornetz.

Die vor Ort zuständigen Securitas fanden dies weniger humoristisch und beschlossen, Paul zu entfernen. Aber nicht mit den Luzerner. 20-30 Leute verteidigten Paul mit den Worten: Lasst den Paul, sonst gibt’s aufs Maul. Die Securitas ergriffen die Flucht. So konnte Paul die ganzen 90 Minuten des allerletzten Spiels in der Zweitklassigkeit den Aufstieg geniessen. Pfiff-Sieg-Aus-Vorbei – der FCL gewann mit 1:0. Das Resultat interessierte jedoch keinen. Die Fans zogen in Richtung Fankneipe und verfolgten die Schlussminuten der «Schande von Basel». Für Paul ging es zu seiner letzten Ruhestätte. Unter der Führung des Winkelgottes wurde Paul über das Feld zum Mittelpunkt getragen und mit Tränen in den Augen verabschiedet. Es war der Schlusspunkt eines Ausfluges, der in Punkto Asi-Skala Massstäbe setzte.

Gemäss Gerüchten lag Paul noch ein paar Tage auf dem Mittelpunkt des zu diesem Zeitpunktes heiligen Rasens von Baulmes. Ruhe in Frieden Paul (1, 2 und ff).

Verfasst von: SBS & Ente Bauli & Sellerie Stengel

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