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Die ganze Kurve hüpft olé olé…

Es ist ein schöner und warmer Sommerabend und ich bin auf dem Weg zum Inseli. Ich bin aufgeregt, denn ich sehe bereits die vielen Cars, die uns an das erste Europa League-Spiel nach 13 Jahren fahren werden.

Der Carparkplatz ist schon gut bevölkert von Menschen mit blauen Shirts. Ich finde meinen Car und die Jungs schnell. Sie haben die zwei Vierer-Abteile reserviert. Um 22 Uhr fährt die Car-Karawane dann endlich los Richtung Utrecht. Die Vorfreude ist bei allen zu spüren, es wird gelacht und getrunken bis in den Morgen hinein. Doch irgendwann wird es ruhiger im Car, denn die meisten möchten doch noch ein paar wenige Stunden Schlaf tanken. Nur ein gewisser L.S. will die Nachtruhe nicht akzeptieren. Doch irgendwann verstummt auch er.

Im Car schlafen war noch nie meins, doch auch die Vorfreude lässt mich kaum zur Ruhe kommen. So sehe ich wohl als einzige den Sonnenaufgang und die endlosen Landschaften Hollands in der Morgendämmerung vorbeiziehen. Fast 12 Stunden nach Abfahrt werden wir in der Altstadt in einer extra für uns gesperrte Strasse abgeladen. In dieser Strasse befand sich ein Irish Pub und eine Döner-Bude, welche definitiv nicht zu empfehlen ist.

Da ich mir nach dieser langen Fahrt erstmals die Beine vertreten musste, spazierte ich mit zwei Freundinnen bei strahlend schönem Wetter entlang der Kanäle. Zurück beim Pub setzte ich mich auf den Randstein und sah den Jungs zu, wie sie quer durch die Strasse einem Fussball nachjagten. Es war jetzt Nachmittag und die Strasse und die Menschen wurden immer voller. Da im Stadion kein Alkohol ausgeschenkt wurde, musste man sich den Rausch vor dem Match holen.

Mit Bussen wurden wir zum Stadion gefahren. Die Gästekurve war eher schmal und hoch, jedoch mit den 700 Fans bis obenhin gefüllt. Als Christian Ianu zum Aufwärmen auf den Platz trat, begann die ganze Kurve das Ianu-Lied zu singen und zwar so laut und voller Emotionen, wie ich es selten an einem Spiel erlebt habe. Die Lautstärke liess auch den ganzen Match nicht nach. Zum Spiel ist zu sagen, dass wir 1-0 verloren haben. Aber wirklich viele Erinnerungen ans Spiel selbst habe ich ehrlich gesagt nicht mehr.

Was nach dem Schlusspfiff passierte, ist mir aber noch immer omnipräsent. Trotz der Niederlage feierten wir unsere Mannschaft als hätten wir gerade den Pokal gewonnen. Wir sangen und sagen immer weiter bis das Stadion fast menschenleer war und die Blocksperre schon lange aufgehoben worden war: „Die erste Reihe hüpft olé olé ... Die zweite Reihe hüpft, olé olé ...“. Und wie schon erwähnt, es hatte viele Reihen. „Die ganze Kurve hüpft, olé olé ...“! Fast eine Stunde nach Schlusspfiff verliessen wir dann voller Glücksgefühle das Stadion und stiegen in die Cars ein, die uns wieder nach Hause fuhren.

Es gab keinen Match bei dem ich mehr das Gefühl hatte, dass sich die Grenzen innerhalb der Kurve so stark verschmolzen. Es gab plötzlich keine Gruppierungen, Kutten oder Hools mehr, sondern nur noch Fans, die sich als Ganzes sahen. Wenn die auf dem Platz uns keinen Grund zum Feiern geben, dann müssen wir uns eben selbst feiern.

Verfasst von: V.H.

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